Deutschland hat ein Problem

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Im Interview erklärt die Chefin des Internationalen Währungsfonds, warum höhere Energiepreise Deutschland schwer belasten könnten, und wie sich der Krieg in der Ukraine auf ihre Familie auswirkt.

SPIEGEL: Frau Georgiewa, der russische Einmarsch in die Ukraine war das beherrschende Thema hier in Davos. Sie kommen aus Bulgarien, deshalb möchten wir Ihnen eine persönliche Frage stellen: Haben Sie damit gerechnet, dass so etwas passieren könnte?

Georgieva: Ich habe verstanden, dass es ein Risiko gibt, aber ich war trotzdem schockiert. Die Folgen des Krieges für das ukrainische Volk, aber auch für die Welt, sind verheerend. Ich weiß das persönlich, weil ich einen nahen Verwandten habe, der zu Beginn des Krieges in Charkiw war und die Schrecken selbst erlebt hat. Weißt du, ich bin hinter dem Eisernen Vorhang aufgewachsen. Nun führt der Krieg zu einer neuen Zersplitterung der Welt.

Über Kristalina Georgieva

Foto: Dieter Mayr/ DER SPIEGEL
Kristalina Georgieva, Jahrgang 1966, ist seit 2019 Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF). Die bulgarische Ökonomin war vor ihrem Wechsel zum IWF Vizepräsidentin der Europäischen Kommission.

SPIEGEL: Tut die internationale Gemeinschaft genug, um den Krieg zu stoppen?

Georgieva: Europa und die Welt haben sich der Herausforderung gestellt. Wenn es einen Lichtblick gibt, dann ist es die Erkenntnis, dass wir die Augen nicht länger vor Entwicklungen anderswo verschließen können: Krieg in der Ukraine bedeutet Hunger in Afrika. Ein Virus aus Wuhan löst weltweit eine Pandemie aus. Und CO2-Emissionen an einem Ort treiben den Klimawandel auf der ganzen Welt voran.

SPIEGEL: Glauben Sie, dass die von Ihnen angesprochene Hungerkrise noch verhindert werden kann?

Georgieva: Nur wenn wir mehr tun. Erstens müssen wir gegen Ausfuhrbeschränkungen für Lebensmittel vorgehen, die bereits fast 30 Länder erlassen haben. Ich verstehe, dass Regierungen ihre eigene Bevölkerung vor Engpässen schützen wollen. Aber dadurch verlängern wir das Leiden anderer. Zweitens müssen wir die Lebensmittel, die wir haben, effizienter nutzen. Und drittens müssen wir gerade armen Ländern die finanziellen Mittel geben, die sie brauchen, um die Versorgung zu sichern.

SPIEGEL: Was heißt das konkret?

Georgieva: Nehmen Sie ein vom Weltmarkt für Lebensmittel abhängiges Land in Afrika, dessen Preise massiv gestiegen sind. Wir müssen solchen Ländern helfen, damit sie die Versorgung ihrer Bevölkerung sicherstellen können. Wir brauchen eine schnelle internationale Reaktion, damit die Menschen nicht verhungern.

SPIEGEL: Wie soll diese Antwort aussehen?

Georgieva: Fast 30 Länder haben aufgrund der Lebensmittelpreise ernsthafte Zahlungsbilanzprobleme. Einige von ihnen haben uns um Unterstützung gebeten. Wir helfen ihnen mit einem speziellen Treuhandfonds für arme Länder mit einem Null-Prozent-Zinssatz. Wir schauen uns auch sehr genau an, was internationale Institutionen tun können, um die Lebensmittelproduktion effizienter zu gestalten. Das Angebot muss erhöht werden.

SPIEGEL: Der Ukraine und den besonders betroffenen Ländern zu helfen, ist das eine. Aber was können wir tun, um den Krieg zu beenden? Deutschland streitet intern seit Monaten über ein mögliches Erdgas-Embargo. Der IWF warnt in seinem neuen Deutschlandbericht vor Risiken. Wieso den?

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